Risk Assesment Trainings - Survival Events - Sportevents

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Erlebnisbericht


Drillcamp – Combat Survival Training April 2012


Von Jörg Backhaus


Tag 1. Teamforming


13 Uhr und noch immer waren wir nur zu zweit und ich fragte mich langsam, ob das Abenteuer schon vorbei war noch bevor es überhaupt angefangen hatte. Aber schließlich gab Joachim doch das Aufbruchssignal und wir gingen hoch zum Parkplatz, wo wir unseren „DrillInstructor“ Alex kennenlernten, dessen stämmige aber kraftstrotzenden Erscheinung mit Kurzhaarschnitt und schwarzer Sonnenbrille, die Arme in Hüften gestemmt ohne ein Wort zusagen gleich klarmachte, wer für den Drill zuständig war. Dann besprachen wir, wie wir das Beste aus der geringen Teilnehmerzahl machen können. Ich hatte ja das Combat Survivaltraning gebucht, während Lukas - der andere Teilnehmer von seiner Freundin für das Drillcamp eingeschrieben worden war. Da keiner von uns beiden Lust hatte, alleine zu trainieren, entschieden wir uns auf Vorschlag unserer Trainer einfach für den vollen Zweierpack: Drillcamp plus CombatSurvival zu zweit für volle zwei Tage. Wow - das würde hart - zu zweit unter der Fuchtel von zwei kernigen Trainern - aber wir wollten es ja so haben.


Im Zeughaus


Wie für ein Survivaltraining nicht anders zu erwarten fand Vorbereitung des Trips unter freiem Himmel statt. Alex hatte die persönliche Ausrüstung schon säuberlichst geordnet auf der Wiese ausgebreitet: BW-Rucksäcke, Alugeschirr, BW-Besteck, BW-Poncho, Trinkflasche, Klappsäge, Klauenbeil und PMR-Funkgerät für jeden.


Nun sollten wir unsere mitgebrachte Ausrüstung und Klamotten dazulegen und uns „marschbereit“ machen. Also rein in den Feldanzug, Stiefel an, Booney auf, Wasser aufnehmen, Jacke, Schlafsack, Isomatte und etwas Wechselwäsche musste reichen - dann gings auch schon los. Allerdings hatte unser neuer Trainer noch einen dritten Teilnehmer im Petto: Nämlich einen 35l-Wasserkanister, den wir mitschleppen mussten – willkommen im Drillcamp! „Sprecht euch ab, kommuniziert aber kommt in die Gänge – lautete die kernige Ansprache „Rucksäcke auf und …


..„Abmarsch!“.


Solchermaßen beschwert, erhielten wir am Ende des Parkplatzes gleich die erste Einweisung in die Drill-Positionen: Nr. 1 die Bauchlage, Nr.2 die Hocke mit Handflächen auf dem Boden, Nr. 3 der Liegestütz und durften in letzterer gleich mal ein paar Sätze pumpen, was mit Rucksack sichtlich schwerer ging als ohne…Dann stackselten wir weiter durch Münnerstadt, den schweren Kanister immer abwechselnd tragend und es ging an die Wiesen der Lauer altbekannten Braveheartstationen entgegen – immerhin durften wir uns einen Stock suchen um „Horst“, wie wir unseren Kanister nach kurzer Zeit nannten, wenigstens gemeinsam schleppen zu können. Damit der Schweiß aber weiter floß, gabs dafür diverse Drilleinlagen wie Kniebeugen, Liegestützen und auch mal 30m Entengang bis uns schließlich ein Lauerzufluss den Weg versperrte


Lauercrossings


Dessen Überquerung war die erste Teamaufgabe . Doch just an der Stelle, die uns DI Alex zugewiesen hatte war der Bach unerwartet schlammig, so dass ich gleich beim ersten Schritt bis zum Gürtel im Dreck steckte und sich ein Durchwaten mit Horst als unmöglich herausstellte. Gottlob fand mein Partner eine Furt im Hauptfluss , der sich auf Felsklötzen gut nehmen ließ, so dass wir am anderen Ufer dann nur bis zu den Knien gewässert waren unsere Ausrüstung aber trocken übersetzen konnten. (Lauercrossing1).thumb drillcamp1Auch als Zweierteam kann es Dissenz geben, ich wollte so schnell wie möglich ans vorgegebene andere Ufer, mein Partner lieber etwas später und so entschied letztlich unser DI Alex, dass nun die Zeit für ein erneutes Lauercrossing (2) gekommen sei – Hm, die Stelle kam mir irgendwie bekannt vor, ja kein Zweifel beim BHB12 war hier Burma-Dünisch-Brücke gespannt gewesen und die Fußspuren am Ufer waren der Beweis. Schnell wurde uns auch klar, warum diese Stelle für eine Brücke wie geschaffen war, denn beim Aufklären der Uferzone rutschte ich bis zur Brust in die Lauerfluten – ein einfaches Durchwaten mit Rucksäcken und Horst musste unweigerlich zu nassen Schlafsäcken führen.


Also hieß es jetzt, wenn schon nicht für uns, so doch wenigstens für die Rucksäcke eine Seilbahn zu bauen. Schnell hatte mein Partner seinerseits durchnässt das andere Ufer erreicht, um das Tragseil dort zu befestigen und ich versuchte selbiges auf meiner Seite. Aber dann merkten wir, dass wir auch noch ein Zugseil brauchten, um die Lasten überhaupt hinüberziehen zu können, das war aber irgendwie zu leicht zum Werfen, also musste ich wieder in die Lauer um es zusammen mit unserem Gepäckdummy Horst, rüberzuziehen.


Drüben angekommen, merkte ich dann, dass ich mein Funkgerät vor Joachims strengen Ausbilderaugen komplett gewässert und somit geschrottet hatte. Damit war Funken erst mal gestorben und ich watete entnervt wieder auf die Ausgangsseite nur um festzustellen, dass ich jetzt auch noch das zweite Zugseil zum Zurückziehen vergessen hatte – aarrghh – Zwar half mir DI Alex aus dem Wasser, aber nur um mir Beine zu machen „ja ja“ sagte ich . – Das provozierte dann schon den nächsten Anschiss – so wie noch 7mal an diesem Wochenende… Aber was soll‘s , der Rucksacktransfer klappte nun doch professionell und so kamen wir endlich wieder am anderen Ufer an.


Die verlorene Zeit mussten wir nun im Laufschritt mit Horst wieder reinholen unterbrochen von weiteren Drilleinlagen, wie robben, Pumpen oder Rücken an Rücken sitzen. Schließllich erreichten wir einen Bahndamm in dessen Nähe angeblich alle Felder „vermint“ waren. Der einzige Ausweg war ein enger Abwassertunnel…und durch den mussten wir nun uns, unser Gepäck und Horst auf dem Rücken robbend retten.


Die Marsch-Kompass-Zahl


Als wir wieder ans Licht kamen, wartete schon Joachim mit der ersten Lektion „Orientieren im Gelände“ auf uns, wozu wir jeder mit Kompass und Karten ausgerüstet wurden und lernten, GPSfrei zu durch die Pampa zu navigieren. Auch das wurde gründlich eingeschliffen, so dass wir nach kurzer Zeit, das Einnorden der Karte, die Bestimmung der Marschkompasszahl und das Marschieren mit Kompass aus dem FF beherrschten und auch gleich anwenden mussten: LochNess war unser erstes „Sprungziel“, welches wir autark ohne unseren Drillschergen dafür aber in 45 min. und mit Horst erreichen sollten. Na ja es war letztlich die altbekannte Route durchs „Innov8-valley“. Die Teamleitung zischte ab und wir gingens an und erreichten den Zielpunkt nach der doppelten Zeit. Der bisherigen Drilllogik folgend war nun wieder ein Anschiss fällig – aber stattdessen wurden wir mit Bierflüssignahrung abgefüllt. Das war das Zuckerbrot – die Peitsche wartete schon auf uns:


Drill am Michaels-Hill


Unten wartete schon Joachim und machte uns Dampf, gefälligst schneller den ersten Anstieg bis zu ihm zu nehmen. Bei ihm angekommen durften wir die Rucksäcke ablegen, damit wir nun schneller mit Horst die 50 Höhenmeter weiter rauf zu DI Alex spurten konnten. Dieser beglückte uns dann mit Teamdrill der besonderen Sorte: einer musste sich an einen Zaun lehnen und mit frei hängendem Gesäß und Horst auf den Unterarmen balancieren, der andere ca. 20 m den Berg runter und wieder rauf im Viereck laufen, danach Wechsel usw. Schwachheiten unsererseits wurden ignoriert – schließlich hatten wir dafür bezahlt. Dann ging es mit Horst wieder den Berg herunter, jeweils mit unseren geliebten Drillpositionen garniert und die letzten 10m robbend, bis wir wieder bei unseren Rucksäcken ankamen. Und erwartungsgemäß hieß es nun auch diese wieder aufzunehmen, Horst zu schultern und nun den ganzen Michelsberg im Laufschritt zu erklimmen.


Survivalcamp1


Wer hat was von Ausruhen gesagt? – Keiner! Nein, nun wurden wir in den Lagerbau mit dem BW-Ponchos eingewiesen, die wir an zwei Bäumen mit selbstgeschnitzten Heringen abspannten und unser Matten und Schlafsäcke darunter ausbreiteten. Auch hier wurde die Ausführung genau begutachtet und in meinem Fall wegen großer Mängel eine Komplettwiederholung angesetzt.
Dann hieß es Brennholz zusammenklauben, wofür sich das mitgeschleppte Beil und die Klappsäge prima eigneten. Feuer machen im eigentlichen Survivalsinne fiel aber zu Gunsten von Feuerzeug und Esbitsteinchen flach. Anscheinend hat man beim Militär nicht die Zeit 3h Stöckchen zu reiben – also mussten wir das auch nicht.


Dafür gab es jetzt die CombatSurvival-Nahrung : nein, keine Würmer sondern die Original 1Mann-Überlebendsrationen von der US-Army. Deren Zubereitung war so ziemlich das größte Gegenteil zur klassischen Survivaltechnik was man sich vorstellen kann, denn es handelte sich quasi um Astronautennahrung, welche mit einer Art chemischem Heizkissen auf Temperatur gebracht wurde. Allerdings enthielten diese Rationen alles, was man so gebrauchen kann: Eistee- und Cidrebrausepulver, Gewürze, Kaugummis, Kuchen, BBQ-Sauce, Erdnussbutter, Brot, Fleischrationen, Streichhölzer und Klopapier.


Am Lagerfeuer stifteten uns unsere Ausbilder dann eine versöhnliche Menge von Bierflaschen und man kam zum gemütlichen Teil des Abends unter herrlichem Sternenhimmel. Und legte sich dann recht bald ab.


Tag 2 - Mission Kreuzberg.


Die Nacht stellte sich aber als sehr kurz heraus, denn Punkt 4 rissen uns unsere Instruktoren unsanft aus dem Schlaf und gaben Anweisung schleunigst Kaffee zu kochen und Abmarschbereitschafft herzustellen. Dann erhielten wir das erste Sprungziel „Bad Bocklet am Kreisel“, 1,5 h Zeit und kein Frühstück. Also bestimmten wir unsere Marschkompasszahl (103°), füllten die Wasserflaschen, nahmen die Rucksäcke auf – und durften „Horst“ der Teamleitung überlassen – gottlob!

drillcamp2

drillcamp3

So machten wir uns auf den Weg und testeten nun alle Orientierungstechniken, die wir am Freitag gelernt hatten. Bei Sonnenaufgang waren wir schon prima auf Kurs und bewegten uns zunehmend sicherer mit Karte und Kompass durchs Gelände, bis wir schließlich kurz vor dem Ziel unseren Aktuellen Standort per Funk durchgeben mussten. Natürlich sollten wir wieder einen Zahn zulegen („Ja Ja“) und so trafen wir mit geringer Verspätung am Zielort ein, wo wir endlich unser CombatSurvival-Frühstück aus der Tüte und selbstredend ein neues Sprungziel „Premich“ nebst passender Wanderkarte bekamen. Routiniert bestimmten wir die MKZ zu 320°und wurden aber noch darauf hingewiesen, dass es bei Überschreitung der Zeitvorgabe kein Mittag essen geben würde.


Oha, das war ja nun eine ernste Bedrohung und so entschieden wir uns nach kurzer Beratung, erst einer Straße über die Saale in fast entgegengesetzter Richtung zu folgen, um dann auf einem gut beschilderten Wanderweg quer durch den Wald ordentlich Strecke machen zu können. Diese Entscheidung stellte sich nach 90 Minuten als gut heraus und so erhielten wir in Premich unser Mittagessen - also fünf rohe Kartoffeln und eine Zwiebel - und… ein neues Sprungziel (MKZ 260°), in dessen Nähe wir nach einer weiteren halben Stunde mit bereits ziemlich schmerzenden Füßen eintrafen und von unserer Teamleitung abgefangen wurden. Da der geplante Platz von einer besoffenen Schülerhorde okkupiert worden war, mussten wir auf das ATV aufsitzen und wurden an einen konspirativeren Ort verbracht.


Hier durften wir uns endlich unseren Mittagseintopf zusammenkochen und die Füße mal ein bisschen von uns strecken.


Das Dessert:


Drillliegestützen mit vollem Rucksack kannten wir ja schon, aber mit zusätzlich vollem Bauch und den Stiefeln des Partners auf den Schultern– das war neu. Aber DI Alex gab uns damit immerhin die Möglichkeit, neben dem Anschwellen unserer Unterarme unser Essen nochmal wiederzukäuen – ob auch das im BW-Ausbildungsprogramm steht blieb aber unklar – ganz im Gegensatz zum nächsten… na , wer weiß es? – genau! Sprungziel4: Wanderparkplatz Sandberg, also auf den Boden, Karte norden, MKZ zu 351° einstellen, Wasser auffüllen und Abmarsch.


Jetzt wurde es härter und vor allem steiler. Die Mittagssonne brannte mit 28°C im Schatten und die Glieder und Füße begannen immer mehr zu schmerzen. Jetzt begann das eigentliche CombatSurvival, also der Kampf gegen den inneren Schweinehund und den des Partners. Aber nachdem was wir in den vorangegangenen 24h schon alles gemeinsam durchgestanden hatten, wollten wir das unbedingt zusammen weiter durchziehen. Also haben wir uns gegenseitig mit allem was wir hatten motiviert und weitergepuscht, bis wir schließlich auf 550m Höhe am Zielpunkt ankamen.


Victor Charly’s Blasen-Voodoo


Dort mussten wir dann doch ein bisschen über unsere Füße jammern, darauf hat uns unser Chefausbilder eine wahre Voodoobehandlung zukommen lassen:


Wir mussten die Stiefel und die Strümpfe ausziehen und sie auf einen Vespertisch legen, uns dann vor der Vesperbank im Gras und die nackten Füße auf derselben ablegen und 15 Minuten meditieren. Derweil inspiziert der Herr Cheftrainer unsere Fußsohlen und verkündeten am Ende mit der Autorität des langgedienten Rettungsassistenten, dass keine Blasen vorhanden seien und wir daher Marschbereitschaft herstellen und den Kreuzberg problemlos in Angriff nehmen könnten.
Und was soll ich sagen, wir glaubten ihm und marschierten von diesem Punkt aus noch insgesamt 19 km weiter. Aber am nächsten Morgen hatte ich trotzdem 3 Riesenblasen an den Füßen – übernacht muss die von-Hippelsche-Voodookraft wohl nachgelassen haben…


Der Schicksalsberg


Zurück zum Kreuzberg. Wir nahmen also Wasser und Gepäck auf, bestimmten unser MKZ und freuten uns schon auf das Klosterbräu, das es am Zielpunkt wohl geben sollte, und begannen den Aufstieg, der uns mit Steigungen bis 19% nochmal alles abverlangte. Aber wir wussten ja, dass es unser Tagesziel war und oben die Schinderei ein Ende haben würde. Zeitvorgaben hatten wir jetzt auch keine mehr zu erfüllen und so kamen wir ziemlich geschafft aber doch glücklich am Kloster an.

drillcamp4Hinein gingen wir aber nicht – seltsam, aber OK wir machten hier ja Survivaltraining wenn auch ein recht Spezielles. Dazu gehörte nun aber ganz offiziell, größere Mengen Klosterbier aufzunehmen. Aber das konnten wir ja auch unbesorgt tun, schließlich hatten wir ja nichts mehr vor… dachten wir.


Denn als wir genüsslich unsere Maß geleert und schon ein bisschen benebelt fragten, wo wir zwischen den ganzen Touris hier denn unser Nachlager aufschlagen würden, traf uns auf einmal ein Hammerschlag – Neues Sprungziel Schmalwasser‼! Äh , nein, äh – das ist doch ein Scherz oder… Nein! Kein Scherz – Sprungziel Schmalwasser Kirche. – Ja aber Essen? – Nicht hier‼! Und schlafen?!--- auch nicht. Wir kollabierten innerlich – Hatte uns unser Wunschdenken einen Streich gespielt? – „Aber es hieß doch das Ziel ist der Kreuzberg?‼!“ – „Stimmt, grinste DI Alex und jetzt habt ihr ein neues Ziel!“ Wir konnten es nicht fassen! – in welchem Film waren wir bloß gelandet?? – Jetzt wurde uns langsam klar, wie “CombatSurvival“ eigentlich gemeint war. Es war der Kampf mit uns selbst und wir ahnten, er würde immer weiter gehen…. endlos. Aber irgendwie hatte das Bier uns so benebelt, dass wir es als unheimliche Gnade empfanden auf dem weiteren Weg unsere Rucksäcke nicht mehr tragen zu müssen, so dass wir bei so viel Entgegenkommen brav unsere MKZ bestimmten und uns auf den Weg machten.


Irgendwie waren wir jetzt über einen Punkt hinaus, der die Schmerzen unserer Füße und Glieder nicht mehr zu uns durchdringen ließ – wir begannen zu funktionieren. Nebenbei kamen wir uns menschlich immer näher und plauderten die ganze Zeit, setzten immer wieder Standortmeldungen per Funk ab und trafen schließlich genau an der zugewiesenen Kirche an, wo wir…………..


Das Grauen..


…genau, das nächste Sprungziel bekamen: „Michaelsberg“ – wir fassten es nicht. Das konnte doch nicht sein, denn das hieß, dass wir alles wieder zurücklaufen mussten, also noch mal mindestens 20 km. Es war ja bereits Abend und wir hatten schon seit 7h nichts mehr gegessen… Während mich einfach in mein Schicksal ergab und bereits den Kompass rausholte, implodierte mein Partner. Nein, das könne er nicht mehr durchhalten, er sein total platt. Aus Ende Feierabend.


Und unsere Götter schafften es doch wieder uns zurück auf die Spur zu bekommen, denn Joachim „schenkte“ uns 8km( es waren eher 12), die wir mit dem Geländewagen in Richtung Zielort verbracht wurden. Und wir Wahnsinnigen nahmen das Geschenk an, ließen uns bei Steinach in der Abenddämmerung absetzten und erhielten den Auftrag, nun abseits der Straßen zurück zum Michaelsberg zu marschieren – aber pronto!


We are the champions


Waren wir noch ganz gebacken? – Irgendwas war mit uns geschehen, denn wir orientierten uns neu und setzten uns ohne Murren in Marsch. Wir passierten die Saale, kamen nach Roth und merkten erst jetzt, dass die Sonne schon fast am Untergehen war. Also war Gefahr im Verzug und wir bogen wie von der Teamleitung angemahnt wieder von der Straße in den Wald ab. Da ich bisher jeden Weg gefunden hatte, übernahm ich die Führung und führte uns prompt in die Irre. Das zuzugeben war in meinem entsaftetem Zustand gar nicht so leicht, denn mein Partner wollte nun keine Experimente mehr und den Restweg wenn überhaupt nur auf der Landstraße mitmachen. OK, OK er hatte ja recht – das war wirklich das Sicherste – aber hieß auch, dass wir 20 Minuten, über 1km und 50 Höhenmeter voll in den Sand gesetzt hatten und uns über das Landstraßenverbot unserer Teamleitung hinwegsetzen mussten. Aber es war das einzig Richtige, denn es wurde zusehend dunkler und wir mit jedem Schritt schwächer und schwächer: Jetzt ging es nur noch darum, irgendwie durchzukommen.


Aber es waren immer noch 6km und die nächsten 2 km gings noch mal gnadenlose 170 Höhenmeter rauf, ohne den Extremanstieg am Michelsberg, der ja auch noch auf uns wartete! Die entgegenkommenden ziemlich rücksichtslosen Autos verschärften unsere Situation noch weiter und so wurde dieser Aufstieg wirklich zu unserem persönlichen Schicksalsberg. Aber irgendwie waren wir über die gemeinsamen Belastungen und Erlebnisse so zusammengeschweißt worden, dass wir es jetzt echt als TEAM angingen mit nur einem Ziel – gemeinsam ankommen. So schoben wir uns an, redeten uns Mut zu und versuchten uns mit allen möglichen Durchhalteparolen („Schmerz adelt“, „pain is weakness leaving the body“, ...) gegen eine vorzeitige Aufgabe zu stemmen. Als wir schließlich diese vorletzte Steigung hinter uns hatten, pfiff mein Partner ganz leise „we are the champions“ von Queen. Und damit hatten wir unser Lied, was uns die letzten Kilometer begleitete und was wir nun immer wieder anstimmten. Bei unserer letzten Standortmeldung nach Reichenbach waren wir wild entschlossen, im Notfall den verdammten Michaelsberg hochzukriechen. Und diese Entschlossenheit und die Vorstellung, wenn überhaupt dann aufrecht unterzugehen, setzten in uns noch mal ungeahnte Kräfte frei und laut „we are the champions singend“ die Fäuste gemeinsam zum Sternenhimmel gestreckt liefen wir unseren grinsenden Trainern entgegen und trafen nach ca. 18 h wieder am Ausgangspunkt unserer Tour ein.


Lagerbau, Feuer machen, Astronautennahrung essen, liefen nun schon fast wie im Schlaf. Während mein Teamkamerad sich sofort ins Land der Träume verabschiedete, konnte ich dann noch PAS-TEAM-Mitgründerin Andrea begrüßen, die extra auf Berg gefahren war, um uns COSTlern ein Fässchen Bier und ihre warmherzige Anwesenheit zu stiften. Ein wunderbarer Abschluss eines an Grenzerfahrungen überreichen Tages.


Tag 3 – die Rückkehr der Könige


Irgendwie hat uns der COST-Trip genügsam gemacht – den trotz der Totalverausgabung des vorangegangen Tages wachten mein Partner und ich schon um halb sechs auf und drehten Spieß mit dem Wecken einfach mal um… So kamen wir dann etwas früher als erwartet zu unserem Erstehilfekurs für die Wildnis. Hier konnte Cheftrainer Joachim nochmal seine ganze Erfahrung als Rettungsassistent und Einsatzsoldat einbringen, um uns für den Fall der Fälle fit zu machen – super!


Danach – wie konnte es anders sein – erhielten wir ein neues Sprungziel und trafen einen alten Bekannten wieder: Horst war wieder dabei! So nahmen wir unser Gepäck und unseren Tankkameraden auf und begaben uns zum nächsten Einsatzort, wo unser Trainergespann das Winden-Stahlseil des ATV-Winde quer über eine Lichtung zu einem Baum gespannt hatte.
Und nun durften wir im „Kommandohang“ uns mit Brust und Bauch auf das Seil legen und die ca. 8m Distanz mit Händen und Stiefeln über das Seil schieben. Gar nicht leicht - aber noch mal eine echte Herausforderung. Ratz fatz war man da abgefallen und musste dann im „Bärenhang“ also am Seil hängend weiterqueren . Abwärts gings noch ganz gut aber aufwärts konnte man das dünne Seil kaum richtig packen und nach 10 Minuten waren wir schon wieder fix und alle.


Und so bekamen wir unser definitiv letztes Sprungziel „Münnerstadt, Oberes Tor“, schulterten den Ast mit unserem Kanisterkamerad und machten uns auf den Weg. Kurz vor dem Ziel klärte uns eine beschlagene Einheimische auf „Was habt ihr denn da für ein Wildschwein erlegt?!“ und da wurde uns endlich klar, das Horst in Wirklichkeit eine synthetische Einsatzwildsau war. Damit wissend, dass unser Trageeinsatz doch nicht sinnlos gewesen war, legten wir eine Punktlandung in Münnerstadt hin und bewiesen unseren Trainern somit endgültig, dass wir Ihre Ausbildungsinhalte voll verinnerlicht hatten.


Fast wehmütig legten wir unser Ausrüstung ab und verabschiedeten uns von Horst und natürlich von Joachim und Alex , die uns in diesen zwei Tagen wirklich unvergessliche Erlebnisse geschaffen haben. Menschen, die sich noch nie vorher begegnet sind, in 48h zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammenzuschweißen, die dann gemeinsam durch Dick und Dünn geht, ist eine Wahnsinnsleistung - einfach unglaublich!


Diese Erfahrung war grandios und es kann gut sein, dass wir wiederkommen werden, um noch mehr davon zu COSTen.

PAS-TEAM
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